Ob Pflichtschulung, Software-Einführung oder Produktwissen für den Vertrieb: Learning & Development braucht viele Videos, und sie veralten schnell. Klassisch produziert, wird jede Änderung zum neuen Auftrag. Mit KI entstehen Lernvideos im eigenen Team und im Corporate Design, und du kannst sie später anpassen. Unten steht der Ablauf in sieben Schritten, mit Tipps zur Didaktik und Beispielen aus mint.
Was ein E-Learning-Video von einem Marketingfilm unterscheidet
Ein Marketingfilm soll Interesse wecken. Ein Lernvideo soll dafür sorgen, dass jemand danach etwas kann oder weiß. Daraus folgen andere Regeln:
| Marketingfilm | E-Learning-Video | |
|---|---|---|
| Ziel | Aufmerksamkeit, Interesse, Handlung | Wissen oder Fähigkeit, die sich überprüfen lässt |
| Tempo | eher schnell, viele Reize | ruhig, Zeit zum Mitdenken |
| Text im Bild | Schlagworte, Claims | Schlüsselbegriffe, Schritte, Zusammenfassung |
| Länge | kurz | so lang, wie das Lernziel braucht, meist wenige Minuten |
| Lebensdauer | eine Kampagne | bis sich Prozess oder Produkt ändert |
Schritt 1: Das Lernziel festlegen
Formuliere das Lernziel so, dass man es überprüfen kann. „Die Mitarbeitenden kennen das neue Reisekosten-Tool“ ist zu vage. Besser: „Nach dem Video können Mitarbeitende eine Dienstreise im Tool anlegen und Belege hochladen.“ Die wichtigste Regel lautet: ein Video, ein Lernziel. Bei mehreren Lernzielen planst du mehrere Videos.
Kläre außerdem, wer lernt: neue Kolleginnen und Kollegen, erfahrene Fachkräfte, Führungskräfte oder externe Partner. Davon hängen Vorwissen, Fachsprache und Tempo ab.
Schritt 2: Den Inhalt in kurze Einheiten zerlegen
Lange Lernvideos sind schwer durchzuhalten, und wer später etwas nachschlagen will, findet die Stelle kaum wieder. Teile den Stoff deshalb in Einheiten von zwei bis fünf Minuten. Jede Einheit beantwortet eine Frage.
Beispiel: Ein Handelsunternehmen (erfundenes Beispiel) führt ein neues Kassensystem ein. Statt eines 20-Minuten-Films entstehen sechs kurze Videos: Anmelden, Verkauf buchen, Rückgabe, Gutschein, Tagesabschluss und Störung melden. Jedes Video lässt sich einzeln im LMS verlinken und später einzeln aktualisieren.
Für den Aufbau jeder Einheit reicht ein einfaches Muster:
- Worum geht es und wozu? Ein Satz zum Nutzen.
- Die Schritte oder Kernaussagen, höchstens drei bis fünf.
- Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag.
- Eine kurze Zusammenfassung und der Hinweis, wo es weitergeht.
Schritt 3: Design und Lernregeln festlegen
Lernvideos wirken vertrauenswürdiger, wenn sie aussehen wie der Rest des Unternehmens. Dafür legst du einmal einen Motion-Styleguide an, aus Website, Präsentation, Bildern oder Video. Er enthält Farbwelt, Schriften, Formensprache und Layouts wie Titel, Liste, Prozess, Vergleich und Kennzahl, also die Bausteine, die Lernvideos brauchen. Das Temperament reicht von ruhig über ausgewogen bis dynamisch. Für Schulungen wählst du eher ruhig, damit der Blick auf dem Inhalt bleibt.
Im Brand Kit hinterlegst du, was in allen Lernvideos gleich sein soll: Intro und Outro, die Stimme, ein Aussprache-Lexikon für Fach- und Produktbegriffe sowie Schreibweisen und verbotene Begriffe. Daran erkennt man eine ganze Lernreihe wieder.
Schritt 4: Skript und Briefing aus vorhandenem Material
Meist gibt es den Stoff schon: Schulungsfolien, Handbücher, Prozessbeschreibungen. Dokumente wie PDF oder DOCX gibst du über den Chat-Agenten in den Film. Ins Briefing gehören das Lernziel als Kernbotschaft, die Zielgruppe, die Ziellänge, der Einstieg und No-Gos, zum Beispiel „keine Screenshots der alten Version“.
Schreib den Sprechertext fürs Ohr: kurze Sätze, aktive Verben, ein Gedanke pro Satz. Fachbegriffe erklärst du beim ersten Auftreten. Tipps für den Aufbau stehen im Ratgeber Erklärfilm-Skript schreiben. Wie viel Text in fünf Minuten passt, rechnet der Skript-Längenrechner aus.
Tipp: Lass Sprecher und Bildschirmtext nicht dasselbe sagen. Der Sprecher erklärt, der Text im Bild zeigt nur Schlüsselbegriffe und Schritte. Wer gleichzeitig zuhört und denselben langen Satz liest, wird eher abgelenkt als unterstützt.
Schritt 5: Sprecher, Untertitel und Zugänglichkeit
Für Lernvideos ist der Sprechertext oft fachlich geprüft. Dann wählst du in mint „wörtlich übernehmen“, damit kein Begriff verändert wird. Alternativ glättet mint den Text oder formuliert ihn frei. Die KI-Stimmen von ElevenLabs sprechen Deutsch, Englisch und Französisch, mit Emotion und Betonung. Eine eigene Sprachaufnahme lässt sich hochladen. Musik wird unter dem Sprecher automatisch leiser und sollte in Lernvideos ohnehin dezent bleiben.
Untertitel exportierst du als SRT-Datei. Sie helfen Menschen mit Hörbeeinträchtigung, allen, die ohne Ton lernen, und Kolleginnen und Kollegen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen. Mehr zu Stimmen und Ton auf der Seite KI-Stimmen und Musik.
Schritt 6: Fachlich prüfen und nachschärfen
Lass jedes Lernvideo von einer Fachperson prüfen, bevor es live geht. Kommentare mit Zeitmarke und Anhängen zeigen genau, an welcher Stelle etwas nicht stimmt, und die Fassungen V1, V2 und V3 bleiben nachvollziehbar. Änderungen gibst du im Regie-Chat mit dem KI-Agenten oder direkt im Editor, wo jede Folie und jeder Text frei bearbeitbar bleibt.
Die automatische Qualitätsprüfung von mint achtet auf Textüberlauf, Mindestschriftgröße, Lesezeit, Ränder und Farbsprünge. Gerade die Lesezeit ist in Lernvideos wichtig: Ein Schritt, der zu kurz eingeblendet wird, kann nicht gelernt werden.
Checkliste für die fachliche Abnahme:
- Ist das Lernziel nach dem Video erreichbar?
- Stimmen alle Begriffe, Menüpunkte und Zahlen mit dem aktuellen Stand überein?
- Ist jeder Bildschirmtext lange genug zu sehen?
- Werden Fachbegriffe richtig ausgesprochen?
- Gibt es am Ende eine kurze Zusammenfassung?
Schritt 7: Exportieren und ins LMS hochladen
mint exportiert MP4 in Full HD (1920 × 1080) als 16:9, 9:16 oder 1:1. Für klassische Lernplattformen ist 16:9 der Standard. Das MP4 lässt sich in jedes LMS hochladen, die Untertitel als SRT dazu. Hochkantfassungen in 9:16 eignen sich für kurze Lernimpulse auf dem Smartphone, etwa als Erinnerung vor einer Pflichtschulung. Mehr dazu unter Formate und Export.
Plane gleich mit, wie das Video aktuell bleibt. Ändert sich ein Menüpunkt oder eine Frist, passt du die betroffene Folie an und exportierst neu, statt das ganze Video neu zu produzieren.
Typische Fehler bei Lernvideos
- Folien abfilmen. Eine Präsentation mit Sprecher ist noch kein Lernvideo. Nutze die Folien als Quelle, aber baue Szenen, die einen Schritt nach dem anderen zeigen.
- Zu viel Text im Bild. Ganze Absätze auf dem Bildschirm konkurrieren mit dem Sprecher. Zeig Schlüsselbegriffe, den Rest erklärt die Stimme.
- Kein Beispiel. Abstrakte Regeln bleiben schlecht hängen, ein konkreter Fall aus dem Arbeitsalltag deutlich besser.
- Alles auf einmal. Ein Video, das drei Lernziele abdecken soll, erreicht oft keines richtig.
- Kein Plan für Aktualisierungen. Wer nicht festlegt, wer ein Video pflegt, hat nach einem Jahr veraltete Inhalte im LMS. Leg je Video eine verantwortliche Person fest.
Tipp: Frag nach dem ersten Video zwei oder drei Personen aus der Zielgruppe, was sie mitgenommen haben. Stimmt die Antwort mit dem Lernziel überein, kannst du die Reihe im gleichen Muster fortsetzen.
Welche Filmart zu welchem Lernthema passt
| Lernthema | Empfohlene Filmart | Warum |
|---|---|---|
| Software-Einführung, Prozesse | mint motion design | Schritte, Listen und Kennzahlen im exakten Corporate Design |
| Pflichtschulung, Compliance | mint motion design | klare Struktur, wörtlicher Sprechertext |
| Produktwissen | mint motion design oder mint explainer | Produktlogik in Layouts oder mit erzählenden Bildern |
| Gesprächsführung, Verhalten in Situationen | mint cinematic oder mint explainer | Szenen mit Figuren und Orten machen Situationen greifbar |
Mehr Anwendungen für Lernteams findest du unter Videos für Learning & Development sowie auf den Seiten E-Learning-Videos erstellen und Schulungsvideos erstellen.