Ob Agentur, Inhouse-Team oder KI: Ein Film wird nur so gut wie sein Briefing. Fehlt die Kernbotschaft, sagt der Film vieles und lässt wenig hängen. Fehlen die No-Gos, kommt die wichtigste Korrektur erst in der dritten Runde. Unten findest du, was in ein Film-Briefing gehört, welche Fehler häufig sind, und eine Vorlage zum Kopieren.
Warum Briefings scheitern
Den meisten Briefings fehlen keine Informationen. Sie enthalten zu viele, oder es fehlen Entscheidungen, die niemand getroffen hat. Typische Muster:
- Alles ist wichtig. Von zehn gleich wichtigen Botschaften bleibt keine hängen.
- Das Ziel fehlt. „Wir brauchen ein Video zum neuen Tool“ beschreibt ein Thema, kein Ziel.
- Die Zielgruppe heißt „alle“. Ein Film für alle spricht niemanden richtig an.
- Erwartungen bleiben unausgesprochen. Der Vorstand möchte das Logo am Anfang, die Rechtsabteilung einen bestimmten Satz, aber beides steht nirgends.
- Der Rahmen fehlt. Länge, Format, Sprache und Termin werden erst nach dem ersten Entwurf geklärt.
Die acht Bestandteile eines Film-Briefings
1. Anlass und Ziel
Warum entsteht der Film, und was soll danach anders sein? Formuliere das Ziel als Wirkung: „Nach dem Film wissen alle Mitarbeitenden, wo sie ab 1. März Reisekosten einreichen.“
2. Zielgruppe
Wer schaut, mit welchem Vorwissen und in welcher Situation? Eine Vertriebsleiterin am Schreibtisch braucht einen anderen Film als ein Monteur, der in der Pause aufs Handy schaut.
3. Kernbotschaft
Das ist der eine Satz, der hängen bleiben soll. Wenn du die Botschaft nicht in einem Satz sagen kannst, ist das Thema noch nicht reif für einen Film.
✗ „Das neue Tool bringt viele Vorteile für alle Bereiche und vereinfacht zahlreiche Abläufe.“
✓ „Ab 1. März reichst du Reisekosten nur noch per Foto im Tool ein, in zwei Minuten statt per Formular.“
Der zweite Satz ist konkret, prüfbar und sagt, was die Zuschauenden tun sollen. Jede Szene lässt sich daran messen, ob sie auf diese Botschaft einzahlt.
4. Inhalt und Quellen
Die Fakten, die der Film braucht, und wo sie stehen: Links, Dokumente, Präsentationen, Zahlen mit Quelle. Gib lieber ausgewählte Quellen mit als den kompletten Projektordner.
5. Einstieg
Womit beginnt der Film? Mit einer Frage, einer überraschenden Zahl, einer Situation aus dem Alltag oder direkt mit der Botschaft. Der Einstieg entscheidet, ob jemand dranbleibt.
6. Ton und Tempo
Sachlich oder persönlich, ruhig oder dynamisch? Spricht eine KI-Stimme, oder gibt es eine eigene Aufnahme? Soll Musik laufen, und wenn ja, in welcher Stimmung?
7. No-Gos
Was darf auf keinen Fall vorkommen? Begriffe, Bilder, Versprechen, Vergleiche mit Wettbewerbern, bestimmte Farben. No-Gos sparen mehr Korrekturschleifen als jeder andere Abschnitt.
8. Rahmen
Ziellänge, Formate, Sprache, Termin, Freigabeweg und die Frage, wer am Ende entscheidet.
Die Vorlage zum Kopieren
Kopiere die Vorlage und fülle sie aus. Nicht jedes Feld braucht einen Absatz, oft reicht ein Satz.
FILM-BRIEFING
Projekt:
Ansprechperson:
Freigabe durch:
Termin:
1. ANLASS UND ZIEL
Warum entsteht der Film?
Was soll nach dem Film anders sein?
2. ZIELGRUPPE
Wer schaut, mit welchem Vorwissen?
Wo und in welcher Situation wird geschaut?
3. KERNBOTSCHAFT (ein Satz)
4. INHALT UND QUELLEN
Wichtigste Fakten (höchstens drei bis fünf):
-
-
-
Quellen (Links, Dokumente, Zahlen mit Herkunft):
5. EINSTIEG
Frage / Zahl / Situation / direkte Botschaft:
6. TON UND TEMPO
Tonalität (sachlich, persönlich, motivierend):
Tempo (ruhig, ausgewogen, dynamisch):
Sprecher (KI-Stimme, eigene Aufnahme, keiner):
Sprechertext (wörtlich übernehmen, glätten, frei formulieren):
Musik (ja / nein, Stimmung):
7. NO-GOS
Begriffe, Bilder und Aussagen, die nicht vorkommen dürfen:
8. RAHMEN
Ziellänge in Sekunden:
Formate (16:9 / 9:16 / 1:1):
Sprache:
Untertitel (ja / nein):
Handlung am Ende (Was soll die Person tun?):
Ein ausgefülltes Beispiel
Beispiel: Nordwerk, ein erfundener Maschinenbauer, führt ein neues Reisekosten-Tool ein. Ziel: Ab 1. März reichen alle Mitarbeitenden Reisekosten nur noch im Tool ein. Zielgruppe: alle 4.000 Mitarbeitenden, viele davon in der Produktion ohne festen Arbeitsplatz. Kernbotschaft: „Beleg fotografieren, im Tool hochladen, fertig. Ab 1. März nur noch so.“ Einstieg: die Frage „Wo ist eigentlich dein letzter Tankbeleg?“ No-Gos: keine Screenshots der Testversion, nicht das intern abgeschaffte Wort „Spesenabrechnung“. Rahmen: 75 Sekunden, 16:9 für das Intranet und 9:16 für die Mitarbeiter-App, Deutsch und Englisch als getrennte Fassungen, mit Untertiteln.
Wer das Briefing schreibt und wer mitredet
Ein Briefing braucht eine Person, die es verantwortet. Sie sammelt Anforderungen ein, entscheidet bei Widersprüchen und gibt das Briefing frei. Die anderen Beteiligten fragt sie vorher und nicht erst hinterher. Hilfreich ist eine kurze Runde vor dem Schreiben, in der jede beteiligte Stelle ihre Muss-Punkte und No-Gos nennt: Fachbereich, Kommunikation, Brand, bei Bedarf Rechtsabteilung und Betriebsrat.
Was im Briefing geklärt ist, muss niemand mehr im Entwurf diskutieren. Wer seine Anforderungen schon eingebracht hat, kommentiert den Entwurf außerdem genauer.
So nutzt mint dein Briefing
In mint beginnt jeder Film mit dem Briefing. Es besteht aus Freitext, Kernbotschaft, No-Gos, Einstieg, Ziellänge und Quell-URLs, also aus den Feldern, nach denen auch eine gute Agentur fragen würde. Dazu kommen:
- Eigene Bilder und Videos als PNG, JPG, WebP, MP4, MOV oder WebM.
- Dokumente wie PDF oder DOCX, die du über den Chat-Agenten in den Film gibst.
- Der Sprechertext, den mint wörtlich übernimmt, glättet oder frei formuliert, je nachdem, was du festlegst.
Aus Briefing und Motion-Styleguide entsteht ein erster Entwurf im Corporate Design. Das ist ein Vorschlag, an dem du weiterarbeitest. Was nicht passt, änderst du im Regie-Chat mit dem KI-Agenten, etwa „Szene 4 ruhiger, mehr Fokus auf die Kennzahl“, oder direkt im Editor, wo jede Folie und jeder Text frei bearbeitbar bleibt. Feedback aus dem Team sammelst du mit Kommentaren mit Zeitmarke, und die Fassungen V1, V2 und V3 bleiben nachvollziehbar. Der ganze Ablauf steht unter So funktioniert mint, ausführlicher wird es im Leitfaden für Motion-Design-Filme.
Tipp: Was in jedem Film gilt, gehört nicht ins Briefing, sondern ins Brand Kit: Logos, Intro und Outro, Stimme, Aussprache, Schreibweisen und verbotene Begriffe. Dann bleibt das Briefing kurz und handelt nur von diesem einen Film.
Briefings in Agenturen: vom Kundenbriefing zum Produktionsbriefing
Agenturen arbeiten meist mit zwei Briefings. Das Kundenbriefing beschreibt Ziel, Zielgruppe und Rahmen aus Sicht des Kunden. Das Produktionsbriefing übersetzt es in konkrete Szenen, Texte und Vorgaben. Diese Übersetzung ist kreative Arbeit und bleibt bei der Agentur. mint übernimmt danach die Produktionsarbeit im Styleguide der jeweiligen Kundenmarke. Wie das im Agenturalltag aussieht, steht unter mint für Agenturen.
Checkliste vor dem Absenden
- Das Ziel ist als Wirkung formuliert, nicht als Thema.
- Die Kernbotschaft passt in einen Satz.
- Es gibt höchstens drei bis fünf wichtige Fakten, jeweils mit Quelle.
- Der Einstieg ist festgelegt.
- Die No-Gos sind aufgeschrieben, auch die unausgesprochenen.
- Länge, Formate, Sprache und Termin stehen fest.
- Es ist klar, wer am Ende freigibt.
Wenn das Briefing steht, geht es ans Skript. Wie das gelingt, zeigt der Ratgeber Erklärfilm-Skript schreiben. Welche Länge zu deinem Film passt, klärt Wie lang sollte ein Erklärfilm sein?.