„So kurz wie möglich, so lang wie nötig“ stimmt, hilft aber wenig, wenn du ein Briefing schreiben musst. Brauchbarer sind konkrete Richtwerte für typische Einsatzzwecke, eine Länge, die du aus dem Inhalt ableitest, und ein paar Anzeichen dafür, dass ein Film zu lang ist.
Richtwerte nach Einsatzzweck
Nimm die Werte als Orientierung. Sie gehen von einem Sprechertext in ruhigem Erklärtempo aus, also etwa 130 Wörtern pro Minute.
| Einsatzzweck | Richtlänge | Wörter im Sprechertext (etwa) | Typisches Format |
|---|---|---|---|
| Social-Media-Anzeige | 15–30 Sekunden | 30–65 | 9:16 oder 1:1 |
| Social-Media-Clip, Recruiting | 20–45 Sekunden | 45–100 | 9:16 |
| Website, Produktseite | 60–90 Sekunden | 130–195 | 16:9 |
| Vertriebsgespräch, Angebot | 90–120 Sekunden | 195–260 | 16:9 |
| Messe-Bildschirm, Schleife | 30–60 Sekunden | 65–130, oft ohne Ton | 16:9 |
| Interne Ankündigung | 45–90 Sekunden | 100–195 | 16:9 und 9:16 |
| Onboarding-Einheit | 1–3 Minuten | 130–390 | 16:9 |
| Lernvideo, Schulung | 2–5 Minuten | 260–650 | 16:9 |
| Pflichtschulung | 3–5 Minuten je Einheit | 390–650 | 16:9 |
Was deutlich über fünf Minuten liegt, ist meist eher eine Schulung oder ein Vortrag als ein Erklärfilm. Dann lohnt sich eine Reihe kürzerer Filme.
Die Länge aus dem Inhalt ableiten
Statt eine Länge festzulegen und den Inhalt hineinzupressen, geh andersherum vor:
- Kernaussagen zählen. Was muss die Zielgruppe nach dem Film wissen? Schreib jede Aussage als einen Satz auf.
- Zeit je Aussage schätzen. Eine einfache Aussage braucht mit Bild etwa 10 bis 20 Sekunden, eine erklärungsbedürftige eher 20 bis 30 Sekunden.
- Rahmen dazurechnen. Einstieg und Abschluss mit Handlung brauchen zusammen etwa 10 bis 20 Sekunden.
- Mit dem Kanal abgleichen. Liegt das Ergebnis deutlich über dem Richtwert, streich Aussagen oder teil den Film auf.
Beispiel: Ein Produkt-Erklärfilm soll Problem, Lösung, drei Funktionen und den Nutzen zeigen. Das sind sechs Aussagen zu je etwa 12 Sekunden, plus 15 Sekunden für Einstieg und Abschluss: rund 90 Sekunden. Für Social Media bleiben davon Problem, Lösung und Handlung übrig, zusammen rund 30 Sekunden.
Sprechtempo und Wortzahl
Die Länge eines Erklärfilms wird fast immer vom Sprechertext bestimmt. Als Faustregel gelten in ruhigem Erklärtempo etwa 120 bis 140 Wörter pro Minute. Schnelleres Sprechen spart Zeit, kostet aber Verständlichkeit, vor allem bei Fachbegriffen und bei Zuschauenden, die nicht in ihrer Muttersprache schauen.
Wie lange dein konkreter Text gesprochen dauert, rechnet der Skript-Längenrechner aus. Füge deinen Text ein, und du siehst sofort, ob er zur geplanten Länge passt. Tipps zum Schreiben und Kürzen findest du im Ratgeber Erklärfilm-Skript schreiben.
Planst du mehrere Sprachfassungen, rechne mit Unterschieden. Übersetzungen ins Deutsche werden oft länger als ein englisches Original, weil Sätze und zusammengesetzte Wörter mehr Raum brauchen. Lass deshalb in der Ausgangsfassung etwas Luft, damit keine Sprachfassung gehetzt klingt.
Die häufigsten Längen-Fallen
Oft machen die Teile rund um den Inhalt einen Film zu lang:
- Lange Logo-Animation am Anfang. Wer den Film im Feed sieht, entscheidet in den ersten Sekunden, ob er weiterschaut. Das Logo kann auch am Ende stehen.
- Begrüßung statt Einstieg. „Herzlich willkommen zu unserem Video über …“ kostet Zeit und sagt nichts. Steig direkt mit einer Frage, einer Zahl oder einer Situation ein.
- Jede Abteilung bekommt ihren Satz. Wenn alle Beteiligten etwas unterbringen wollen, wächst der Film mit jeder Abstimmungsrunde. Eine klare Kernbotschaft im Briefing schützt davor.
- Langer Abspann. Ein Abschluss mit Handlung braucht nur wenige Sekunden.
- Hinweise und Pflichttexte. Kläre mit der Rechtsabteilung, welche Hinweise wirklich in den Film müssen und welche im Begleittext auf der Seite stehen können.
Die Länge im Briefing festlegen
Schreib die Ziellänge als konkreten Wert ins Briefing, nicht als „kurz“ oder „knackig“. Gib außerdem an, welche Ableitungen du brauchst, etwa „Hauptfassung 75 Sekunden in 16:9, Social-Fassung 25 Sekunden in 9:16“. So ist von Anfang an klar, welche Szenen in die Kurzfassung gehören und welche nur in der Hauptfassung vorkommen. Wie ein vollständiges Briefing aussieht, zeigt der Ratgeber Film-Briefing schreiben.
Woran du merkst, dass ein Film zu lang ist
- Die Kernbotschaft kommt erst nach mehr als einem Drittel des Films.
- Eine Szene wiederholt, was eine andere schon gesagt hat.
- Der Sprecher muss sehr schnell sprechen, damit der Text passt.
- Beim gemeinsamen Ansehen im Team greift jemand zum Handy.
- Du kannst eine Szene streichen, und niemand vermisst sie.
Wann ein längerer Film richtig ist
Länger ist nicht automatisch schlechter. Ein Film darf länger sein, wenn die Zuschauenden bewusst schauen und etwas lernen wollen: eine Software-Schulung, eine Pflichtunterweisung, ein Vertriebsfilm, den jemand im Angebotsprozess eigens öffnet. Auch dann muss jede Minute etwas Neues bringen.
Für Lernthemen ist eine Reihe kurzer Einheiten meist besser als ein langer Film, weil man darin leichter nachschlagen und einzelne Teile aktualisieren kann. Mehr dazu im Ratgeber KI-Film für E-Learning produzieren.
Bei Serien, etwa im Onboarding oder in einer Lernreihe, hilft eine einheitliche Länge. Wer weiß, dass jede Folge etwa zwei Minuten dauert, kann sie leichter zwischen zwei Termine schieben. Halte dafür auch Aufbau und Tempo gleich: gleicher Einstieg, gleiche Struktur, gleicher Abschluss. Wie so eine Serie entsteht, zeigt der Ratgeber KI-Film fürs Onboarding produzieren.
Länge und Format hängen zusammen
Hochkantvideos in 9:16 werden meist mobil und im Vorbeiscrollen gesehen. Sie müssen schneller auf den Punkt kommen als ein 16:9-Film auf der Website. Plane deshalb statt einer Länge für alle Kanäle eine Hauptfassung und kürzere Ableitungen. Mehr dazu unter Social-Media-Videos erstellen und Formate und Export.
So steuerst du die Länge in mint
In mint gibst du die Ziellänge direkt im Briefing an. Die automatische Qualitätsprüfung achtet unter anderem auf die Lesezeit: Jeder Text im Bild muss lange genug stehen, um gelesen zu werden. Ist ein Entwurf zu lang, sagst du dem KI-Agenten zum Beispiel „Szene 3 und 4 zusammenfassen, Ziel 60 Sekunden“, oder du kürzt direkt im Editor. Das Rendern dauert rund 25 Sekunden je Szene, du siehst das Ergebnis also schnell.
Aus einem Briefing entstehen Fassungen in 16:9, 9:16 und 1:1. Wie du einen Erklärfilm von Anfang bis Ende mit KI produzierst, zeigt die Seite Erklärfilm mit KI erstellen.
Tipp: Zeig den Entwurf jemandem, der das Thema nicht kennt, und frag nach dem Ansehen nach der Kernbotschaft. Kann die Person sie nennen, passt die Länge. Wenn nicht, hat der Film meist zu viele Botschaften und nur selten zu wenig Zeit.